Mondsteine

Friebel, Volker (2015): Mondsteine. Die Geschichte von Iris und Konradin. Eine Erzählung aus den Mond-Chroniken. Tübingen: Edition Blaue Felder. PapierBuch: 139 Seiten, 9,80 Euro, eBuch (epub-Format): 263.000 Zeichen, 4,99 Euro.

 

Konradin und Iris sind Jugendliche, er ist auf der Mond-, sie auf der Sonnenseite der Erde geboren. Ihr Schicksal ist eng miteinander verknüpft. Durch einen Brunnen gelangen sie in die jeweils andere Welt. Konradin findet auf der Sonnenwelt zu Demian und dem Konsortium und wendet während einer Schlacht in der Halle der Macht das Schicksal des Mondreichs. Iris wird in der Mondwelt von den Fahrenden auf eine Burg gebracht, macht die Bekanntschaft der Großen des Albenreichs und reitet mit dem Mädchen Lucia auf einem Einhorn in das Abenteuer ihres Lebens. Sie lernt den Mondstein beherrschen und entscheidet damit über die Zukunft zweier Welten.

 

Konradin wöffelte unter dem Leuchtkäferbaum. Er nahm die ganze strahlende Schönheit der Silberhaar -Ranken in sich auf, an denen sich in der Neumondnacht die paarungsfähigen Käfermännchen zu Tausenden versammelt hatten, um ihre Lichtkämpfe auszutragen, während die Weibchen sie zirpend aus der Ferne beobachteten. Der Wind trug ihm den Duft frisch aufgesprungener Mondblüten zu, und er schnupperte, um sie ganz in seinen inneren Kristall einzulassen und festzuschreiben.

Die Zeit stand still.

Die Zeit dehnte sich in alle Richtungen gleichzeitig aus, wie eine der Lichtexplosionen der platzenden Blüten nach der Paarung der Leuchtkäfer. Dann lief sie wie zuvor weiter.

Konradin blinzelte und schüttelte sich. Das Wöffeln erschütterte ihn immer wieder aufs Neue. Sein Kristall war schon zu fast einem Zehntel vollgeschrieben, fünfzehn Mondjahre hatten ihr Licht und ihre Schatten in ihm hinterlassen, aber nach jedem Wöffeln kam die Welt ihm so frisch vor wie neugefallener Schnee, fast wie damals, als er selbst aus dem Ei geschlüpft war.

Er blinzelte nochmals. Dann lief er durch den Wald vorwärts und übte dabei seinen Auftritt.

„Konradin Möchtegern Maier, Edler von Klingenfels, Infant des Rosenheimschlosses, Hel-Knappe des freien Schwertordens: Die Welt ist in großer Gefahr“, so würde er beginnen. Aber wie weiter? Seine Schilderung der vergangenen Ereignisse durfte weder zu lang, noch zu knapp werden. Sie musste eine Spannung aufbauen, auf einen Höhepunkt zuführen, ein grimmiger Ausblick auf die zu befürchtende weitere Entwicklung musste die Zuhörer erschaudern lassen – und dann seine Lösung, seine geniale Idee, die ihm mit einem Mal den Titel eines ,Weißenhaar‘, wenn nicht gar eines ,Segensreich‘ einbringen – zumindest aber doch eines ,Wahrefest‘ – und ihn auf jeden Fall mit einem Schlag von diesem ,Möchtegern‘ befreien würde. Fünf Rangstufen sollte er mindestens überspringen!

Also wie weiter?

Konradin ging noch einmal seine Stichworte durch. Beginnen würde er mit dem Frieden, mit einem Lobgesang auf das Albenreich im Jubel des Wöffelns und der Kristallgesänge. Das würde vor allem bei den Alten gut ankommen, bei denen die Verwahrung der Mondsteine und alle Entscheidungsgewalt lag . Dann eine steigende Dramatik mit sich zunehmend überstürzenden Ereignissen: Die ersten Heuler zum Wintermond, die ungerufenen Visionen der großen Kristallen in der Sternengrotte, die rasche Ausbreitung der Seuche über weite Teile des Albenreichs, das Verschwinden von Frau Perchta, der nach der Einäscherung eines verstorbenen Heulers erste entdeckte Kristallbruch, das Auftauchen der Schattenvögel, und die Verfinsterung des Mondes durch ihre schweigend kreisenden Scharen. Und dann seine Lösung – und sein Triumph!

Plumps, fiel er lang hin. Ein Stein, eine Wurzel – nun lag er mit ausgebreiteten Armen mitten im duftenden Moos. Vögel sangen ringsum. Konradin nahm seinen Herzschlag wahr, lauschte ein paar Mondwolken lang einfach seinem Atem und verspürte das starke, fast unwiderstehliche Bedürfnis zu wöffeln. Aber er riss sich zusammen und sprang auf. Rasch klopfte er sich die Kleidung ab und nahm sein Bündel wieder auf. Dann eilte er weiter, im Sternenlicht, einem gähnenden Schlund zwischen den Felsen zu.

Erhältlich als Papierbuch und als eBuch im Kindle-Format (Amazon. Klick auf das Bild oben links)
sowie im epub-Format (alle anderen Buchhandlungen, auch im Netz).

 

 


Impressum  I  AGB  I  Datenschutz

Aktuell 18.09.2017 auf www.Blaue-Felder.de
Alle Rechte vorbehalten